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Gütesiegel MPS

Lange bevor andere deutsche Jazzlabel, wie beispielsweise ECM, für den weltweit hervorragenden Ruf deutscher Jazzproduktionen sorgten, veröffentlichte bereits ein anderer süddeutscher Musikliebhaber in Villingen im Schwarzwald Jazzplatten auf seinen Labeln SABA und MPS: Hans Georg Brunner-Schwer.

Schon 1963 hatte der Industriellensohn erste Schallplatten für das SABA-Label produziert. Mit unterschiedlichsten Aufnahmen etablierte der Produzent und Toningeneur dann 1968, nach seinem Rückzug aus dem SABA-Unternehmen, das Label MPS (Musik Produktion Schwarzwald), das bis in die 80er Jahre hinein durch erstaunlich vielseitige und hochklassige Jazzproduktionen von sich Reden machte. Oscar Petersons Hauskonzerte in Brunner-Schwers Villa in Villingen sind legendär.

Bis zum Verkauf des Labels MPS im Jahre 1982 an die damalige PolyGram (heute Universal) entstanden über 500 hochklassige Jazzproduktionen, die das gesamte Spektrum des Jazz dokumentieren. Hilfreich zur Seite standen Brunner-Schwer dabei allerdings auch freie Produzenten wie etwa Joachim Ernst Berendt oder Willi Fruth, die ihren Teil zur stilistischen Offenheit des MPS-Labels beitrugen. MPS wurde zu einem Gütesiegel sowohl musikalisch erstklassiger als auch tontechnisch brillanter Jazzproduktionen "Made in Germany".

Das "Grove Dictionary Of Jazz" würdigte die Aufnahmen als den größten und abwechslungsreichsten Labelkatalog Europas. Als vor mehr als vierzig Jahren die erste MPS-Schallplatte erschien, die damals noch unter dem Vorgänger-Label SABA (Schwarzwälder Apparatebauanstalt) veröffentlicht wurde, hätte wohl niemand geahnt, daß vier Jahrzehnte später, die Scheiben aus dem beschaulichen Schwarzwälder Ort Villingen weltweit zu den größten Jazzsammlerobjekten gehören würden. Die stetig steigenden Euro-, Pfund-, Yen- und Dollarkurse für die immer seltener aufzufindenden Original-MPS-Platten sind auf mehrere Gründe zurückzuführen. Einerseits sind es die herausragenden musikalischen Aufnahmen, die einen bedeutenden Teil nicht nur der europäischen Jazzgeschichte dokumentieren. Andererseits ist es der hervorragende Klang der Aufnahmen, die in einem der modernsten Tonstudios der damaligen Zeit vom Firmengründer Hans Georg Brunner-Schwer produziert wurden.

Beigetragen zum Kultstatus von MPS haben zudem die außergewöhnliche Coverästhetik und die Tatsache, daß manche der Aufnahmen (aus heute schwer verständlichen Gründen) die Erstauflage von 500 Pressungen nicht überstiegen.

Aus „JazzEcho“ 11.07.2003